Gesunde Mitarbeitende sind das Fundament sozialer Arbeit – doch steigende Belastungen und Fachkräftemangel stellen Träger zunehmend vor neue Herausforderungen. Das Kreisdiakonische Werk Stralsund e. V. (KDW) geht gemeinsam mit der Hochschule Stralsund und der Intero Technologies GmbH einen innovativen Weg. In einem zweijährigen Forschungsprojekt wird Künstliche Intelligenz gezielt eingesetzt, um arbeitsbedingte Belastungen frühzeitig zu erkennen und präventiv gegenzusteuern. So entsteht eine moderne Verbindung aus Fürsorge, Technologie und nachhaltiger Fachkräftesicherung.
Soziale Arbeit im Wandel
Der demografische Wandel und der zunehmende Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte stellen soziale Träger vor große Herausforderungen. Gleichzeitig verändern digitale Prozesse die Arbeitsorganisation und die Erwartungen an Führung und Zusammenarbeit. Gesundheit, Transparenz und Beteiligung gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Als anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe sowie zahlreicher sozialer Dienste in Stralsund und im Landkreis Vorpommern-Rügen gestaltet das KDW diesen Wandel aktiv. Ziel ist es, Motivation, Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit der Mitarbeitenden langfristig zu sichern und damit einen nachhaltigen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten.
Projekt zu KI-gestützter Prävention
Unter dem Titel „KI-gestützte Prävention zur Stärkung von Mitarbeitendengesundheit und Fachkräftesicherung“ startete am 01.01.2026 ein auf 24 Monate angelegtes Forschungsprojekt. Gemeinsam mit der Hochschule Stralsund (HOST) und dem Odoo Gold Partner Intero Technologies GmbH entwickelt das KDW ein digitales, KI-basiertes Feedback- und Auswertungssystem.
Im Mittelpunkt steht ein sensibler und verantwortungsvoller Umgang mit Daten. Anonyme Rückmeldungen der Mitarbeitenden bilden die Grundlage für datenbasierte Analysen, die arbeitsbedingte Belastungen sichtbar machen. Daraus lassen sich gezielte Präventions- und Unterstützungsangebote ableiten – individuell, wirksam und praxisnah.
Auftakt und zentrale Aufgaben
Den Start markierte eine gemeinsame Auftaktveranstaltung mit allen Projektpartnern. Hier wurden Ziele, Rollen und Vorgehensweisen klar definiert. Zu den zentralen Aufgaben des Projekts zählen:
- Evaluierung, welche Daten über eingesetzte Systeme wie Odoo rechtssicher erfasst werden dürfen
- Konzeption der Datenauswertung in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule Stralsund
- Aufbereitung und Präsentation der Ergebnisse für die Leitungsebenen des KDW
- Überführung der Erkenntnisse in konkrete Angebote für Mitarbeitende
So wird sichergestellt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht abstrakt bleiben, sondern direkt in den Arbeitsalltag einfließen.
Rollen im Verbund: Wissenschaft, Technik und Praxis
Die Projektpartner ergänzen sich gezielt: Die Hochschule Stralsund übernimmt die wissenschaftliche Begleitung sowie die Entwicklung und Validierung der KI-Methodik. Intero Technologies GmbH verantwortet die technische Umsetzung und Integration der digitalen Plattform, die auf der Business-Software Odoo basiert und eine Wissensdatenbank, ein Umfragetool zur Datenerhebung sowie Dashboards zur Auswertung umfasst. Das KDW Stralsund bringt seine langjährige Praxiserfahrung und die Perspektive der sozialen Arbeit ein.
Diese enge Verzahnung schafft eine belastbare Grundlage für eine praxisnahe Anwendung von Künstlicher Intelligenz im betrieblichen Gesundheitsmanagement.
Mehr als Technik: Eine Kultur der Achtsamkeit
Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Mitarbeitende erhalten durch anonyme Rückmeldungen Impulse zur Selbstreflexion und Stärkung des eigenen Wohlbefindens. Führungskräfte wiederum werden durch aufbereitete, aggregierte Auswertungen in ihrer Fürsorge- und Steuerungsverantwortung unterstützt.
„Wenn wir die Signale unserer Mitarbeitenden früh erkennen, können wir gezielt unterstützen statt nur reagieren. KI hilft uns dabei, Fürsorge und Organisation neu zu denken.“
Gerald Hehl, Projektleiter, Kreisdiakonisches Werk Stralsund e. V.
Blick nach vorn
Mit dem Projekt entsteht eine moderne, datenbasierte Grundlage für gesunde Arbeitsbedingungen in der sozialen Arbeit. Gleichzeitig leistet das Vorhaben einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur verantwortungsvollen Nutzung von KI im Non-Profit-Bereich.
Das Kreisdiakonische Werk Stralsund e. V. zeigt damit, wie technologische Innovation und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen können – zum Nutzen der Mitarbeitenden, der Organisation und der gesamten Region.